Lean Compliance

Regelkonformität in der Produktentwicklung

Vor eine paar Monaten habe ich zu dem Thema Compliance einen Beitrag im Produktdatenjournal veröffentlicht. Das Thema ist „heiß“. So sieht beispielsweise die Ernst & Young Studie „Strategic Business Risk: 2008 – The Top 10 Risks for Global Business“ das Thema Compliance die Liste der zehn wichtigsten Unternehmensrisiken anführen. Versäumen Unternehmen, bestimmte Regeln einzuhalten, kann dies den Ausschluss von bestimmten Märkten und Ausschreibungen bedeuten („No data, no market“) oder durch die Produkthaftung substantielle juristische und finanzielle Folgen nach sich ziehen.

Dass dies mittlerweile sehr konkrete Risiken sind, bemerken wir bei vielen Unternehmen, in denen wir zu tun haben – eindrucksvoll zu sehen, welchen Stellenwert das Thema bekommen hat!

Zwar ist beispielsweise die ISO 9000 ein alter Hut, aber die aktuellen Dokumentations- und Qualitätsmanagementvorschriften  stellen heute deutlich konkretere Anforderungen an die Entwicklungsprozesse. Die Maschinenrichtlinie, FDA Vorschriften, die ISO/TS 16949 usw. lassen dabei zusammengenommen keine Branche verschont.

Fluch oder Segen?

Wie gehen Unternehmen damit um? Die Gefahr ist groß, sich vom Regen unter die Traufe zu stellen, stülpt man abstrakte Compliance-Anforderungen schematisch den eigenen Prozessen über. Wie kennen Beispiele, wo der Entwicklungsprozess sich durch eine Unzahl an Formularen dramatisch verlangsamt hat. Dabei behaupte ich: Viele Compliance-Vorschriften  sind im Kern für die Produktentwicklung ein Segen, weil sie auf eine „Good Manufacturing Practice“ zielen: transparente Prozesse und jederzeit einfach nachvollziehbare Ergebnisse. Ist das „ob“ keine Frage mehr, sollte das „wie“ umso sorgfältiger hinterfragt werden. Segensreich wird das Ganze nur dann, wenn

  • die Vorschriften „richtig“, d.h. passend zu den eigenen Prozessen und so schlank wie möglich interpretiert werden. In vielen Fällen lässt sich das „wie“ aus den Regelwerken oft nicht klar ableiten. Hier sind Unternehmen leider auf sehr dünn gesätes Expertenwissen angewiesen.
  • keine separaten Mechanismen verwendet werden, sondern Quality Gates, Deliverables, das Änderungs- und Konfigurationsmanagement usw. zum Diener zweier Herrn gemacht werden: des eigentlichen PEP und der Compliance-Anforderungen. Selbstredend bieten sich hier PLM Plattformen an …

Mein Fazit: Für Compliance-Berater, die Unternehmen aufzeigen,  wie sie so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können, brechen goldene Zeiten an.

PLM-Reset 2011

Die Winterpause ist die Gelegenheit, einen klassischen Blogbeitrag mit dem Fokus auf „Lesson learned“ oder „Nächstes Jahr“ zu verfassen. Ich möchte mit Ihnen einige Gedanken teilen, die ich mir über die Entwicklungen in unserer Branche gemacht habe, und darlegen, in welchen Bereichen ich die größten Veränderungen erwarte. Der Begriff „PLM-Reset“ scheint es mir am besten zu treffen. In den letzten beiden Jahren habe ich mir viele Geschichten über die Implementierung von PLM in Unternehmen angehört. Bei diesen Geschichten musste ich unwillkürlich daran denken, wie dringend notwendig es wäre, unter den PLM-Implementierungen etwas aufzuräumen. Damit meine ich, das Wertversprechen von PLM zu verbessern und die Implementierung effizienter zu machen.

Unternehmenstrends

Ich kann derzeit nur wenige wichtige Unternehmenstrends ausmachen: Cloud-Lösungen, mobiles Unternehmen, soziale Netzwerke und der Einsatz von Software verschiedenster Anbieter. All diese Trends werden einen großen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung von Engineering- und Fertigungssystemen sowie auf die Chancen in diesem Bereich haben.

Cloud-Lösungen werden zu den Unternehmenstrends für 2011 zählen. IDC prognostiziert IT-Ausgaben in Höhe von 1,6 Billionen USD, wobei der Bereich Software und Services um 13 % wachsen wird. Das größte Wachstum werden die öffentlichen Cloud-Services verzeichnen. Cloud ist keine Peripherielösung mehr. 2010 konnte Google zeigen, dass die Lösungen von Google sicher genug für GSA sind. Auch Microsoft und andere Anbieter von Cloud-Lösungen hatten Neues zu verkünden. Meiner Meinung nach können Cloud-Lösungen den klassischen Vormarsch bahnbrechender Technologien in der Unternehmensbranche antreten, was für die Engineering- und Fertigungssoftware (einschließlich PLM) große Vorteile nach sich ziehen könnte.

Mobile Lösungen liegen definitiv im Trend. Wir erleben den unglaublichen Siegeszug von iPad, iPhone und anderen Geräten. Daraus ergeben sich viele zusätzliche Chancen und Veränderungen in der Unternehmenslandschaft. All diese Geräte sind noch nicht ganz für einen unternehmensweiten Einsatz bereit. Dennoch werden die zukünftigen Entwicklungen im Cloud Computing dazu führen, dass diese Geräte bald nahtlos in die Cloud-Netze der Unternehmen integriert werden können.

Soziale Netzwerke sind ebenfalls eine interessante Geschichte. Im Verlauf des letzten Jahres habe ich häufig über soziale Trends geschrieben. Meiner Meinung nach wird der Austausch über soziale Netzwerke in den Unternehmen weiter zunehmen und ein neues Kontaktsystem schaffen, das für die Kommunikation innerhalb des Unternehmens förderlich sein wird. Ich glaube, dass die soziale Komponente entscheidend zu einer Verbesserung der PLM-Zusammenarbeit beitragen wird.

Das Ende von Microsofts Vorherrschaft ist ein weiterer Trend. Bis jetzt wurde ein Großteil der von den Unternehmen verwendeten Software entweder in Redmond oder Redwood Shores entwickelt. Dies ist nicht mehr der Fall. Wir erleben einen riesigen Zuwachs bei der Einführung von Apple-Produkten. Die Unternehmen sind nicht mehr so sehr daran interessiert, vorhandene Anwendungen beizubehalten, sondern sind eher bereit, neue Ansätze zur Lösung von Problemen auszuprobieren. Wir erleben außerdem, dass immer mehr Software von den Mitarbeitern eingebracht wird.

Aufbau eines einfachen PLM-Systems

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Unternehmenstrends lässt sich der starke Wunsch nach mehr Vereinfachung erkennen. Lange Jahre kam der Komplexität eine bedeutende Rolle in der Unternehmensorganisation zu. Bei PLM war die Komplexität ein Faktor, um die hohen Kosten, Services und Implementierungen zu rechtfertigen. Für PLM-Lösungen galt in den meisten Unternehmen: Wir brauchen eine komplexe Lösung, um komplexe Probleme zu lösen. Falsch! Diese Auffassung wird sich schon sehr bald ändern. Vor sehr langer Zeit schrieb Mark Twain: „Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich einen kürzeren Brief geschrieben.“ Einfachheit ist eine Herausforderung. Dennoch bleibt mittlerweile keine andere Wahl. Das müssen Anbieter und Kunden begreifen.

Welche Schlüsse ziehe ich daraus? Meiner Meinung nach befindet sich PLM definitiv in einer Position, um einen neuen Höhenflug anzutreten. Alle oben genannten Trends sowie der Wunsch nach einfacheren Lösungen werden die Kunden dazu veranlassen, die „Reset“-Taste zu drücken. „Business as usual“ ist keine Option mehr. Der Siegeszug der Cloud-Technologie und der Einfluss anderer Trends wird sich auf PLM auswirken und dazu führen, dass wir 2011 die Einführung weiterer neuer Lösungen erleben werden. Zumindest sind dies meine Überlegungen…

Alles Gute, Oleg

(Hinweis: Dies ist eine Übersetzung  des Beitrags „PLM Reset 2011“ aus Oleg Shilovitskys Blog Beyond PLM. Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Ohne Gewähr für die Richtigkeit der Übersetzung.)

Ein paar Gedanken zu einem unausgefüllten “P”

Dieses “P”, das ich meine, ist ein treuer Bekannter von uns allen. Es markiert den phonetisch knackigen Anfang von “PLM” und meint natürlich das “Product” in “Product Lifecycle Management”. Scheint mir also schon ein sehr dinghaft bezogenes Konzept zu sein, dieses PLM. Aber das finde ich eben viel zu kurz gegriffen.

 

Ohne “Process” kein “Product”

PLM-Konzepte sind in der Regel produktgetrieben. Sie haben Ihren Ursprung in Entwicklungsabteilungen und hatten in den guten alten Zeiten meist Ihren Ausgangspunkt in der Verwaltung von CAD-Daten. Heute stehen Produktstrukturen, Varianten und Konfigurationen im Brennpunkt. Dazu besitzen (gute) PLM-Konzepte eine sehr präzise Steuerungslogik, um den Reifegrad der Produkte kontinuierlich voranzutreiben – bis zum SOP, wo dann alles “i.O.” sein sollte.

Glücklicherweise sind auch die Zeiten vorbei, in denen dann das Entwicklungsergebnis über die hohe Mauer ‘rüber und der Produktion vor die Füße geworfen wurde. Aber einen deutlichen Bruch in den Konzepten und real existierender Dokumentation muss man dennoch festhalten: Wo finden wir denn die Produktions-, Logistik- und Prüfprozesse (…) ?

 

Nein, die Antwort lautet nicht ERP…

Wenn’s um Arbeitspläne, Lieferpläne, Versorgungskonzepte geht, sind ERP- / PPS- / SCM-Systeme, Leitstände, Kanban-Karten an der Reihe, stimmt’s? – Jein.

Ja: In diesen Systemwelten finden sich die operativ gelebten Abläufe mit Ihren Parametern (Bedarfen, Zeiten, …) und Kennzahlen (Ausbringung, Umschlagshäufigkeit, Liegezeiten, …) wieder.

Nein: In diesen Systemwelten werden die Prozesse aber nicht entwickelt! Denn sie haben nicht die Flexibilität und Beweglichkeit, die es in einer (frühen) Entwicklungsphase braucht (sonst gäbe es ja auch kein PLM).

Jawohl! Entwicklung! Nicht nur Produkte werden aus der Taufe gehoben und Schritt für Schritt zu Reife gebracht, parallel zu ihnen entstehen ebenso Schritt für Schritt die Herstellungsprozesse.

 

Entwicklung hat nicht nur mit Schrauben zu tun, PLM auch nicht

Parallel zur Produktentwicklung – und in enger Abstimmung – werden Prozesse entwickelt. Da wird an der Anlagenbelegung gefeilt, in verketteten Produktionsabläufen an den Taktzeiten und Arbeitsinhalten gedreht, da muss sich eine Werkslogistik Gedanken über Bevorratung und Lieferwege machen usw. usf. – Das alles ist weder neu noch überraschend – meine Frage: Warum dokumentiert man diese Entwicklungsthemen nicht auch ganz selbstverständlich in PLM?

In der Realität der Prozessentwicklung findet man die allgegenwärtigen Excel-Welten vor. Mehr oder minder geregelt werden Abzüge der Entwicklungsstückliste gezogen, umstrukturiert (die berühmte Produktionsstückliste erzeugt, wenn nicht im PLM abgebildet) und gegen die Prozesse gefahren. Prozess-Strukturen werden entworfen, Reihenfolgen definiert, Alternativen eingeplant…

Wenn Sie mich fragen: PLM Kernfunktionalität!

 

Let’s do PPLM!

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft nur noch “PPLM” zu sagen – tun Sie’s auch!

Was ich damit sagen will: Dass wir ganz grundsätzlich die Entwicklung von Produkt und Prozess verknüpfen und dokumentieren müssen. Und wenn wir das einmal geschafft haben, können wir uns auch auslandende Gedanken über Virtuelle Fabriken und durchgängige Informationsflüssen vom Reißbrett bis zur Drehbank machen (hatten wir übrigens schon mal in den 80ern).

PPLM-Systeme können parallele Strukturen miteinander verknüpfen und abgleichen. Das gilt für Entwicklungs- und Produktionsstücklisten genauso wie für Stücklisten und Prozessstrukturen.

 

Es lohnt sich

Haben wir einmal diesen Zusammenhang aufgebaut, machen wir uns das Leben gleich deutlich leichter. Nehmen wir als Beispiel nur das derzeitige Schreckensbild von der überbordenden Produktvarianz, die ja auch auf der Prozessseite abgefangen werden will: Im PPLM haben wir eine Konfigurationslogik, die Produkt- und Prozessvarianten ansteuert. D.h. wir können konsistente Konfigurationen beider Sichtweisen erzeugen und abprüfen (alle Teile in der Montage verplant? im Versorgungsplan? usw.).

Die Potenziale standardisierter Produkt- und Prozessbausteine hebe ich mir sogar lieber für einen eigenen Blog-Eintrag auf…

 

Die Möglichkeiten sind da – wir müssen’s nur tun. In diesem Sinne – die besten Wünsche für ein prozessorientiertes 2011!

PLM und Google TV: Nicht für Jedermann?

Neulich habe ich im Flugzeug die New York Times gelesen. Nachdem ich den folgenden Artikel las, fühlte ich mich schlecht. Google TV, Usability is Not Included (Google TV – Benutzbarkeit nicht eingeschlossen). Ich habe Google TV noch nicht gekauft. Ich halte mir jedoch noch immer alle Optionen offen. Lesen Sie den Artikel und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse. Die Idee, einen Fernseher in einen riesigen Computerbildschirm zu verwandeln, ist faszinierend. Allerdings denke ich an den Endanwender. Wie kann ich einer Person ohne Computererfahrung erklären, wie zwischen Browserfenstern gewechselt wird? Mission Impossible!

Trends in der Komplexität von PLM

Die Komplexität von Google TV, wie sie durch die New York Times erklärt wurde, brachte mich dazu, erneut über die Umsetzung von PLM nachzudenken. Wie oft wurden Sie mit mehreren Bildschirmen, Optionen, Verbindungen konfrontiert? Ich denke, dass das Problem der PLM-Umsetzung darin begründet liegt, dass mit ihrer Hilfe die Komplexität von Produktentwicklungsprozessen, Abhängigkeiten und Datenbeziehungen offengelegt werden soll. Selbst bei der Betrachtung neuer Software im Unternehmensbereich sind diese Symptome der Komplexität erkennbar. Ich konnte drei wichtige Trends in der PLM-Komplexität erkennen.

Komplexität der Modellierung
Dies tritt häufig ein, wenn Entwickler versuchen, alle möglichen und unmöglichen Kombinationen von Datenmodellen anzuwenden, um die Situation in einer Organisation wiederzugeben. In vielen Fällen ist dies, so denke ich, jedoch nicht erforderlich. Eine Vielzahl von Situationen kann gelöst werden, indem weniger und einfachere Modelle angewendet werden. Wenn Sie Ihr Datenmodell erstellen, bitten Sie die Entwickler doch einfach darum, es zu vereinfachen. Wenn Sie dies mehrmals tun, werden Sie sehen, dass nur die Hälfte der Funktionen übrig bleibt.

Komplexität der Präsentation
Meiner Ansicht nach hält PLM-Software immer noch am früheren Desktop-Paradigma fest. Das heißt, es werden möglichst viele Informationen in das Sichtfeld der Kunden gestellt. Dies ist ein Fehler. Damit Sie diesen Fehler beheben können, sollten sich Ihre Leute mit mobilen Applikationen vertraut machen. Die begrenzte Anzeigefläche auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons führte zu einer Änderung dieses Paradigmas. Bitten Sie weiterhin darum, zu aktionsbasierten Präsentationskonzepten zu wechseln. Sie geben nur Informationen vor, die für die Entscheidung der Aufgabe erforderlich sind und zeigen eine begrenzte Menge der Optionen an.

Komplexität der Prozesse
Zu guter Letzt. Es ist erforderlich, Prozesse in der Organisation abzubilden. Wenn Sie damit beginnen, denken Sie jedoch daran, dass Sie nicht alle Implementierungen reproduzieren sollten, die vor Beginn der Umwandlung Ihrer Organisation mit dem PLM-System bestanden. Sie können Prozesse ausfindig machen, die einfach nicht erforderlich sind.

Einfachheit siegt immer
Wenn Sie die modernen Trends in Hardware, Software und fast allen anderen Dingen betrachten, werden Sie eine starke Entwicklung zur Einfachheit erkennen. Als ich meine ersten PDM-/PLM-Produkte entwickelte, war die Frage der „Dokumentation” unumgänglich. Das Vorhandensein einer Dokumentation war zwingend erforderlich. Diskussionsfähig war nur die Frage, wie viel Dokumentation erforderlich ist und wie schnell sie geliefert werden kann. Heutzutage ist sich jeder bewusst, dass man nur dann bestehen kann, wenn Produkte entwickelt werden, die keine Handbücher erfordern.

Welche Schlüsse ziehe ich daraus? Mein Schluss ist einfach: Einfachheit siegt! Die wahre Bedeutung dessen zu verstehen, ist nicht einfach. Menschen, die mit PLM-Software zu tun haben, müssen dies verstehen, damit sie nicht zu Dinosauriern der Handbücher werden.  Dies sind meine Überlegungen hierzu…

Alles Gute, Oleg

(Hinweis: Dies ist eine Übersetzung  des Beitrags “PLM and Google TV: Not for Average People?” aus Oleg Shilovitskys Blog Beyond PLM. Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Ohne Gewähr für die Richtigkeit der Übersetzung.)

Daimler ersetzt Catia durch NX

Letzte Woche ist bekannt geworden, dass Daimler sich entschieden hat, in allen Konzernsparten Catia V5 durch NX abzulösen. Das nenne ich mal eine interessante Neuigkeit … interessant auch die Pressemeldungen von Siemens (im Siegesrausch) und Dassault (eher dürr). In der Branche wird spekuliert, was die Gründe und Konsequenzen der Entscheidung von Daimler sind. Die meisten Marktbeobachter wählen starke Worte, z.B. Ken Versprille (CPDA):

The […] decision at Daimler AG to shift all their product development to the Siemens PLM Software tool stack has dramatically shattered the complacent mindset that had been growing in automotive product lifecycle management (PLM).

Über die wahren Gründe der Entscheidung darf spekuliert werden. Die Ursache dürfte nicht die mutmaßlich “bessere” (weil aus einem Haus) Integration von NX mit Teamcenter sein – die hätte in ausreichendem Maße wohl auch mit Catia (V5!) funktioniert. Ich würde die Entscheidung auch nicht als eine gegen Catia und für NX interpretieren: die beiden Systeme haben einen ähnlichen Leistungsumfang, und wenn man die Entwicklung über einige Jahre betrachtet, liegt mal der eine Anbieter mit einigen Funktionen vorne, mal der andere. Meine Spekulation ist, dass die Entscheidung eine für die vorhandene PLM-Infrastruktur (unter anderem Smaragd, Daimlers Teamcenter-basierendes PDM-System) und gegen Dassaults umfassende Vision und Strategie “V6″ ist: man muss annehmen, dass V6 die Strategie der Zukunft bei Dassault ist und die weitere Pflege von V5 ein Zugeständnis an die Kunden, das nicht von Dauer sein muss. Für Anwender bedeutet das über kurz oder lang, sich entweder mit Haut und Haaren darauf einzulassen, oder ganz Abschied zu nehmen, denn der Anspruch von Dassault scheint zu sein, den Entwicklungsprozess mit allen notwendigen Werkzeugen komplett abzudecken. Ich meine, das kann nicht funktionieren. Erstens ist dazu, zumal für eine riesige Organisation wie Daimler, wahrscheinlich überhaupt kein Anbieter in der Lage, und zweitens ist die Frage, inwiefern in einer geschlossenen Systemwelt, in der der Anbieter sowohl die Plattform als auch die Lösungen beherrscht, ausreichend Wettbewerb entstehen kann, der die jeweils besten Lösungen für eine Aufgabenstellung hervorbringt.

Eine weitere interessante Frage ist, was das für die Zulieferindustrie bedeutet. Es ist zu hoffen, dass der Austausch von nativen CAD-Daten zugunsten von offenen Standardformaten wie STEP, JT oder anderen weiter zurückgedrängt wird, und man sich damit mehr auf Prozesse und Inhalte der Zusammenarbeit als auf die Datenformate konzentrieren kann.

Was ist Ihre Meinung?

Das Ende der (PLM) Geschichte?

CONTACT hat eine der größten Studien der letzten Jahre im deutschsprachigen Raum zum Thema Product Lifecycle Management (PLM) unterstützt. Von August bis September 2010 wurden durch RAAD Research dazu über 300 Führungskräfte, d. h. IT-Leiter, Entwicklungsleiter und Controlling-Verantwortliche aus der Fertigungsindustrie interviewt. Die Ergebnisse unter dem Titel „PLM – Entwicklung und Potenziale in Deutschland 2010“ liegen nun vor. Details finden sich z.B. hier.

Ein Ergebnis ist mir dabei besonders aufgefallen, fast bin ich versucht zu sagen „sauer aufgestoßen“. Die Zahlen in der Grafik stehen nur exemplarisch für weitere, unter dem

Strich ziemlich positive Einschätzungen der Situation rund um das Thema PLM. Frei nach Francis Fukuyama stehen wir danach kurz vor dem Ende der (PLM) Geschichte und sollten uns als Hersteller, Berater und PLM Beauftragte in den  Unternehmen demnächst besser nach anderen Aufgaben umsehen.

Nun haben wir und vielleicht auch Sie einen guten Einblick in die Praxis. Dabei ist mit Allem zu rechnen, aber nur in schönen Ausnahmefällen mit einer umfassenden, inhaltlich belastbaren und vom Management unterstützten PLM Strategie! Woher kommt also die Diskrepanz? Meine Vermutung: Das Thema PLM wird immer noch recht eng ausgelegt und die Verbindung von Entwicklung und Produktion mittels freigegebener Artikeln, Zeichnungen und  Stücklisten als der wesentliche PLM Baustein gesehen. Sinngemäß hätten die Interviewten demnach an den „Spatz in der Hand“, aber nicht an die Taube auf dem Dach gedacht.

Ich finden, die Zahlen oben sind eine schöne Provokation und ein Weckruf, noch besser für die Potentiale der PLM Idee verbunden mit modernen Entwicklungsmethoden, Werkzeugen und Schnittstellen zu werben. Oder ist die Idee doch schon viel weiter in der Praxis angekommen und die Zahlen sind der Tendenz nach stimmig?

PLM Kollaboration – neu gedacht

Neulich schrieb ich in beyondplm.com über Wie lässt sich PLM-Kollaboration vereinfachen?. Heute möchte ich einen anderen Blickwinkel einnehmen und darüber sprechen, wie das PLM-Kollaborationskonzept überdacht werden kann. Weshalb ich glaube, dass dies interessant sein könnte? Meiner Meinung nach ist die Industrie für Unternehmenssoftware durchdrungen vom Prozess der Anwenderorientierung. Das bedeutet, dass viele Technologien in die Unternehmen gelangen, die sich im Anwenderbereich bewährt haben. PLM ist von diesem Prozess nicht ausgenommen. Das Thema Zusammenarbeit könnte ein guter Ausgangspunkt für einen solchen Neuansatz sein. Zur Verdeutlichung habe ich das folgende Diagramm erstellt.

Ich denke an drei grundlegende Aktivitäten: Kommunikation, Kollaboration  und Prozess-Management. Diese möchte ich nacheinander diskutieren.

Kommunikation

Dies ist der unkomplizierteste Teil. In meinen Augen stellt die Kommunikation heute die grundlegende Aktivität überhaupt in einer Organisation dar. Ich habe von Mitarbeitern gehört, dass die Organisation praktisch nur per E-Mail erfolgt. Neue Technologien und das Web bieten alternative Kommunikationswege (z. B. Instant Messaging, Blogs, Foren usw.). Trotzdem ist E-Mail sehr stark und alle ehrgeizigen Pläne, E-Mails zu ersetzen, sind bisher gescheitert.

Kollaboration

Ich habe das Wort “ Kollaboration” verwendet, um Tools zu identifizieren, mit denen Mitarbeiter Daten gemeinsam nutzen können. Es gibt “synchrone” und “asynchrone” Tools, die bei der Zusammenarbeit von Mitarbeitern verwendet werden können. Neue Web-Tools (z. B. Wikis) dringen durch das Internet in diesen Bereich ein. Ich bin der Auffassung, dass dies interessante Perspektiven bietet, um Daten gemeinsam zu nutzen.

Prozess-Management

Organisationen werden im Wesentlichen von Prozessen bestimmt. Verschiedene Geschäftsprozesse können die Aktivitäten der Mitarbeiter bestimmen und formalisieren und Ziele und Systeme zur Leistungsmessung definieren. Der wichtige Aspekt beim Prozess-Management ist, dass die Mitarbeiter dies auch annehmen. Sehr häufig bindet ein Unternehmen erhebliche Ressourcen, um ein Prozess-Management-System einzusetzen und zu implementieren. Trotzdem wird das System am nächsten Tag von Mitarbeitern, die E-Mails versenden, missbraucht. So entscheiden sie sich gegen die komplizierten Verfahren des Prozess-Managements.

Weg von Räumen hin zu Kanälen

Ich glaube, Unternehmen verabschieden sich von der Welt der Datenbanken und wechseln zu Netzwerken. Diesen Punkt habe ich schon früher aufgegriffen, und zwar in PLM-Netzwerk-Effekt und Single Point of Truth. Allmählich beginnen die Unternehmen zu verstehen, dass die Zentralisierung durch Datenbanken an Grenzen stößt. Die Internet-Erfahrung zeigt eindeutig, dass die Organisation in Netzwerken sehr viel leistungsstärker sein kann. Als ich über diese Abstraktion nachdachte, kam ich zu dem Schluss, dass sich eine nicht unbedeutende Bewegung vom Konzept der „Räume“, das für die PLM-Collaboration in den vergangenen 10-15 Jahren vorherrschend war, hin zum Konzept der „Kanäle“ vollzieht. Die Art wie Kanäle organisiert werden, kann der Rationalisierung von Kommunikation und Prozessen in Unternehmensorganisationen einen innovativen Schub geben. Ich kann mir vorstellen, dass bestehende und neue Unternehmen in diesem Bereich innovativ sein werden. Lassen Sie mich nur einige Beispiele anführen – Cisco Quad, Salesforce.com Chatter, Yammer, Vuuch. Dies ist meine Auswahlliste von innovativen Firmen in diesem Bereich.

Schlussfolgerungen

Die Kundenforderung, die Zusammenarbeit in Unternehmen neu zu überdenken, wird bedeutende Auswirkungen darauf haben, wie sich die PLM-Kollaboration in den kommenden drei bis fünf Jahren entwickelt. Die Schnittstelle von Prozess-Management, Kommunikation und herkömmlichen Kollaborations-Tools ist ein guter Ausgangspunkt für eine Revision all dessen, was wir bisher über PLM-Kollaboration wussten.

Alles Gute, Oleg

(Hinweis: Dies ist eine Übersetzung  des Beitrags How To Reset PLM Collaboration aus Oleg Shilovitskys Blog Beyond PLM. Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Ohne Gewähr für die Richtigkeit der Übersetzung.)

Zu viel CAD, zu wenig PLM?

Vor einiger Zeit habe ich in Oleg Shilovitskys Blog folgendes goldwertes Zitat von Al Dean gelesen, der das Online-Magazin “Develop 3D” herausgibt:

PLM is easy to define. It’s 3 things. A product. Its lifecycle. And Managing it. It doesn’t need anymore fucking definition.

Oder, um es mit einem Kanzlerwort zu sagen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Nämlich ein Produkt aus der Fabrik (und natürlich wann, in welcher Qualität, und zu welchen Kosten). Welche “PLM-Werkzeuge” (vom Karteikasten bis zur Enterprise-PLM-Lösung) man einsetzt, um das zu erreichen, ist dabei wichtig, aber sekundär. Diese Werkzeuge können gut oder schlecht, kostengünstig oder teuer sein, und die beteiligten Personen gut oder schlecht bei ihrer Arbeit unterstützen. Fatal ist es jedenfalls, wenn die Wahl des Werkzeugs den Prozess behindert, oder mit zusätzlicher Komplexität belastet. Optimal ist es, wenn die jeweils passenden Werkzeuge an den richtigen Stellen eingesetzt werden können.

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Da hat Thomas Teger möglicherweise nicht ganz unrecht. Zudem ist das Nachdenken über “PLM” oft nur ein Nachdenken über CAD und wie man mit CAD-Daten umgeht. Das ist ein wichtiger Teil von PLM, denn natürlich haben CAD und CAE (für 3D/Mechanik, aber auch andere Disziplinen, die leider oft vergessen werden) eine Revolution bei der Entwicklung von Produkten bewirkt. Aber eben nur ein Teil. Die wichtigsten Funktionen von PLM-Software sind (ohne, dass das eine “fucking definition” sein soll):

  1. Kollaboration: Zusammenarbeit im Virtuellen ermöglichen (also z.B. Teamwork mit CAD-Daten)
  2. Daten”herstellung” rationalisieren: hierher gehören CAD-Systeme und andere Tools, mit denen die Dokumentationserstellung und Absicherung digitalisiert und vereinfacht wird.
  3. und nachgelagerte Prozesse (Fertigung, Einkauf, …) mit Daten versorgen: das ist der eigentliche Sinn von PLM

Für das, was “hinten rauskommen” soll, ist Punkt 3 das Entscheidende. Was nützt eine Fertigungszeichnung, die aus einem parametrischen 3D-Modell entstanden ist, wenn sie niemand ausdruckt und zur Werkbank bringt? Und, um den Gedanken weiterzuspinnen, wenn die Zeichnung auf der Werkbank liegt, was nützen Parametrik und 2D/3D-Assoziativität eines CAD-Systems, um Änderungen zu transportieren?

Moderne CAD-Systeme rationalisieren und erleichtern die Erstellung vollständiger und informationsreicher Dokumentation. Dafür ist aber eine gewisse zusätzliche Komplexität erforderlich (Stichworte Parametrik, “Links” und Referenztechnik), die für die der Entwicklung nachgelagerten Prozesse allerdings irrelevant ist. Diese Komplexität muss in einer PLM-Strategie berücksichtigt werden, aber diese daran auszurichten hieße, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen. Zudem geht Produktentwicklung natürlich weit darüber hinaus, Geometriedaten oder zum Beispiel Schaltpläne zu erzeugen. Man schaue nur auf die zahllosen Dokumente, Excel-Sheets, Software-Tools und Papierberge, die für Auslegungen, Kostenschätzung usw. verwendet und produziert werden.

Außerdem gibt es auch nicht “ein CAD für alle Fälle”: für das Geometriemodell des Produkts mag das eine System optimal sein, für einzubauende Komponenten und für die Nachbearbeitung von Bauteilgeometrie zur Vorbereitung von Berechnung oder NC-Programmierung ein weiteres. Die optimale Kombination scheitert aber zu oft daran, dass Geometriedaten nicht (oder nur sehr mühsam) zwischen CAD-Systemen ausgetauscht werden können. Unter diesem Gesichtspunkt ist der aktuelle Trend zur Direktmodellierung (Siemens’ “Synchronous”-Technologie, Autodesk mit “Fusion” und neuerdings PTC mit seiner neuen “Creo”-Produktreihe – aber auch kleinere Anbieter wie Spaceclaim und Kubotek) bemerkenswert: die sich abzeichnende Möglichkeit die “nackte” B-Rep-Geometrie in einem anderen Tools als dem Erzeugungssystem zwanglos weiter bearbeiten zu können, hat das Potential, die CAD-Silos aufzulösen.

Was bleibt, ist den Menschen, die “PLM” leisten, eine Plattform zu geben, mit der sie sich so organisieren können, dass die Ziele in der Produktentwicklung erreicht werden.

Standards in der Produktentwicklung: Fluch oder Segen?

Vorweg: es geht in diesem Beitrag nicht um Normteile oder andere Dinge, die Produkte standardisieren, sondern um solche, die festlegen, auf welche Art und Weise Produkte entwickelt werden. Das ist ein weites Feld, angefangen bei der Frage, wer den Standard vorgibt, etwa das eigene Unternehmen, der Kunde, Normungsgremien usw. bis hin zu Frage, was standardisiert wird wie z.B. Verfahrensabläufe, Benennungskataloge, oder Nummerungsysteme.

Die meisten von uns werden bestimmte Standards lieben und andere hassen. Die guten sind die, die mir persönlich erkennbar nützen, etwa weil sie mir helfen, mich leichter zurechtzufinden. Und die schlechten sind eben solche, die eher hinderlich für meine Aufgaben sind.

Gute Standards stellen einfach „Best Practices“ dar. Bei schlechten Standards erkennen die Anwender, dass man das anders und besser machen kann. Gute Standards fallen nicht vom Himmel und selbst jahre- oder jahrzehntelange Gremienarbeit ist keine Erfolgsgarantie, siehe den „Standard for the Exchange of Product model data“ (ISO 10303 STEP).

Jeder Entwickler macht eigentlich nicht anders als einen Standard für eine gewünschte Funktion zu schaffen. Als Entwickler von gewarteter „Standard“ PLM-Software haben wir die Aufgabe, Standards für die Produktentwicklung zu schaffen. Das ist anspruchsvoll, denn jede Produktentwicklung lebt davon, abseits ausgetretener Pfade Innovatives zu schaffen. PLM-Projekte und PLM-Software greifen unter Umständen tief in die Art und Weise ein, wie Unternehmen und  Mitarbeiter Produkte entwickeln. Im Unterschied zu bloßen Regelwerken, wie sie in vielen Unternehmen anzutreffen sind, ist die Standardisierung  gleich in die Werkzeuge eingebaut, die die Anwender nutzen. Je feinkörniger hier die Vorgaben sind, desto schwieriger wird es, die Bedürfnisse der Anwender praxisgerecht zu erfüllen.

Zusammenfassend meine Meinung:

  1. Gute Standards stellen Best Practices dar, deren Nutzen  für Anwender offensichtlich ist.
  2. Standards zu entwickeln ist schwierig. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Fähigkeit, Standards beruhend auf Erfahrungen in nicht zu kurzen und nicht zu langen Abständen zu verbessern.
  3. Standards haben auch in der Produktentwicklung ihre Berechtigung. Sie helfen z.B., Compliance-Richtlinien zu beachten, über Abteileingen und Disziplinen hinweg besser zu kommunizieren und Zeit dadurch zu sparen, dass man das Erfahrungswissen anderen nutzen kann.
  4. Standardisierung in der Produktentwicklung erfordert besondere Umsicht: Schließlich sollen Kreativität und Flexibilität nicht unter die Räder kommen.

(claim token 9CRX6ENYMPWC)

PLM – Chaos oder Einheit?

Ich habe einen Blog von Stephen Porter von Zero Wait State gelesen, der folgende Überschrift trug: The PLM State: Why can’t we all just get along? (PLM – Warum gibt es kein friedliches Miteinander?). Meiner Meinung nach hat Stephen ein wichtiges Thema angesprochen, nämlich wie die verschiedenen Anbieter im Ökosystem der Engineering-Software nebeneinander bestehen können. Ich musste sofort an die PLM-Software-Landschaft und damit zusammenhängende Trends denken.

Trends im Bereich PLM und Unternehmenssoftware

Meiner Meinung nach gibt es derzeit im Bereich PLM und Engineering-Software nur einige wichtige Entwicklungen, die ich im Folgenden aufzählen möchte: der Notwendigkeit vertikaler Integration und schnellerer Veränderungen sowie der zunehmende Einfluss durch Software für Privatanwender. Die vertikale Integration spielt bei PLM-Lösungen eine immer wichtigere Rolle. Die Kunden möchten ihre Zeit nicht mit der Integration von Produkten verbringen, sondern verlangen nach Produkten, die bereits integriert und sofort einsatzbereit sind. Dadurch stellt sich die Frage, wie die Anbieter die Integrationsfähigkeit ihrer Produkte sicherstellen können. Der Bedarf nach immer schnelleren Veränderungen macht die wachsende Dynamik der Unternehmen deutlich. Engineering- und PLM-Software müssen ihr Tempo an der Geschäftswelt ausrichten. Veränderungsprozesse, die nur einmal im Jahr stattfinden, werden den Unternehmen schon bald nicht mehr genügen. Den Kosten für Veränderungen kommt eine noch größere Bedeutung zu. In dieser Hinsicht müssen die Zeitabstände hinterfragt werden, in denen Software-Releases bisher auf den Markt kommen, sowie die Geschwindigkeit von Updates. Die Software für Privatanwender wird entscheidenden Einfluss ausüben. Ich denke, dass wir all die neuen Anwendungen und Geräte schätzen, an die wir uns in den letzten 5-7 Jahren gewöhnt haben. Noch gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Anwendungen für das Privatleben und Anwendungen für das Geschäftsleben. Die Kunden verlangen jedoch eindeutig danach, als Unternehmenssoftware ähnliche Lösungen verwenden zu können wie als Privatanwender.

Die Einheitsgröße passt nicht allen

Dies ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der erwähnt werden sollte. In den letzten 10-15 Jahren haben die Anbieter von PLM- und sonstiger Unternehmenssoftware versucht, Best Practices und andere Strategien im Zusammenhang mit der Vereinheitlichung von Softwareprodukten einzusetzen. Nach all diesen Jahren komme ich zu einem ganz einfachen Schluss: Die Einheitsgröße passt nicht allen. Das Verlangen nach Vielfalt wird immer deutlicher. Lösungen werden immer kundenspezifischer und berücksichtigen die Verschiedenartigkeit der Nutzer innerhalb eines Unternehmens. Dazu gehört auch, dass Kunden immer häufiger Software mehrerer Anbieter einsetzen.

Kundenfokus

Und zu guter Letzt: Die Beziehungen zwischen Kunden und Händlern bewegen sich in eine sehr interessante Richtung. Darin zeigt sich der allgemeine Software-Trend in Richtung offene Lösungen und Kundenexzellenz. Die wachsende Zahl an Open Source- und SaaS-Angeboten sowie anderen neuen Geschäftsmodellen wird immer häufiger dazu führen, dass Kunden nicht mehr an eine bestimmte Software gebunden sind. Anhand der veränderten Beziehung wird auch deutlich, was Kunden von zukünftigen PLM- und Engineering-Softwarelösungen erwarten.

Welche Schlüsse ziehe ich daraus? Ich denke, dass das PLM-Chaos durch die Außenwelt verändert wird. Aktuelle Modelle werden nicht überleben. Die Bewegung in Richtung dynamischere Unternehmen, offene Lösungen und nicht mehr an bestimmte Software gebundene Kunden ist zu stark, als dass sie ignoriert werden könnte.

Besten Gruß, Oleg

(Hinweis: Dies ist eine Übersetzung  des Beitrags PLM Jungle or PLM State? aus Oleg Shilovitskys Blog Beyond PLM. Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Ohne Gewähr für die Richtigkeit der Übersetzung.)