Der Hype um künstliche Intelligenz im Engineering ist riesig. Fast jeder Software-Anbieter bietet smarte AI-Funktionen an. Richtig eingesetzt, entfalten KI-gestützte Lösungen genau dort eine enorme Hebelwirkung, wo Ingenieur*innen und Konstrukteur*innen täglich wertvolle Zeit verlieren. Das können lästige Routineaufgaben oder wiederkehrende To-Dos im Hintergrund sein: das automatisierte Erstellen von Testfällen, das Erfassen komplexer Dokumente oder die schnelle Bewertung kleinerer Änderungen.
Doch schaut man hinter die Kulissen der Industrie, folgt die Ernüchterung. Laut einer CIMdata-Studie haben zwar rund 80 % der Software-Hersteller bereits KI-Features im Portfolio – die tatsächliche Aktivierungsrate bei den Industriekunden liegt jedoch nur bei 8 bis 33 %! Fast 9 von 10 Industrieunternehmen nutzen KI bisher in weniger als einem Viertel ihrer Projekte. Die meiste Zeit verharren die Projekte in der Pilotphase. Doch woran liegt es, dass der Motor nicht anspringt?
Die Herausforderung: Die unsichtbare Datenmauer
Das größte Hindernis ist nicht der Algorithmus selbst, sondern das, was danach kommt: die KI-Integration. Für Industriekunden ist die nahtlose Anbindung an bestehende Systeme ein wichtiges Auswahlkriterium. Doch Software- und Service-Provider unterschätzen diese Hürde systematisch. In der Praxis stoßen Service-Provider 2,4-mal häufiger auf unerwartete Probleme mit Altsystemen, als Kunden das im Vorfeld überhaupt auf dem Schirm haben. Wenn neue KI-Tools einfach nur isoliert an bestehende Systeme „angeschraubt“ werden, scheitern sie an der Realität komplexer Engineering-Prozesse. Unser Chief Product Officer Frank Patz-Brockmann bringt es auf den Punkt: „Der Schmerz liegt nicht in der Anschaffung, sondern in der Aktivierung.“
Integration statt API-Bastelei
CONTACT Software geht dieses Problem mit Fourier AI proaktiv an. Wir müssen KI-Systemintegration als fundamentale Architekturentscheidung begreifen, nicht als nachträgliches Bastelprojekt: Anstatt eine externe KI-Insel über Standard-Schnittstellen anzubinden, ist Fourier AI als vollintegrierte Intelligenzschicht tief in der bewährten Plattform CONTACT Elements verankert.
Manchmal hören wir in Kundengesprächen den Drang, gewachsene Datenstrukturen komplett über Bord zu werfen und durch eine Art „Data Lake“ oder gar „Data Swamp“ zu ersetzen, in der Hoffnung, die KI würde sich die Informationen dort schon selbst zusammensuchen. Das ist jedoch der völlig verkehrte Ansatz, da KI strukturierte Daten benötigt.
Mit Fourier AI setzen wir daher auf einen klaren, schichtweisen Aufbau von unten nach oben:
- Single Source of Truth (PLM) als Basis: Ganz unten steht nach wie vor das PLM-System mit seinen hochgradig strukturierten Daten. Dieses Fundament ist zwingend notwendig und bildet die verlässliche Ausgangsbasis für jegliche Intelligenz.
- Die Kontext-Konstruktion: Daten einfach nur irgendwo abzuspeichern, reicht nicht aus. Für die KI muss ein präziser Kontext konstruiert werden. Wenn ein Nutzer beispielsweise eine Anfrage stellt wie „Gib mir mal alle Daten zum Engineering Change“, muss diese Kontext-Schicht genau wissen, welche Daten dazugehören, wer sie erstellt hat und wie sie zusammenhängen.
- Der Modell-Layer: Darüber liegt die Modellschicht. Neben führenden externen Modellen bieten wir auch eigene Spezialmodelle an, wie beispielsweise für die 3D-Ähnlichkeitssuche. Das System wählt für bestimmte Aufgaben in der Plattform automatisch das passende Modell aus, lässt Unternehmen für eigene Use Cases aber auch die freie Auswahl, auf welche Modelle sie zugreifen möchten.
- AI Orchestration & Governance: Um Antworten zu bewerten und kontinuierlich zu verbessern, werden die erzeugten Traces festgehalten und geloggt. Das System filtert die Daten so, dass das Modell nur Antworten liefert, die der jeweilige Nutzer über das integrierte Rechtesystem tatsächlich sehen darf.
- Die User Interaction (Der PLM-Chatbot): Ganz oben steht schließlich der Anwender, der beispielsweise im PLM-Chatbot seine Frage eingibt.
Fazit: Erst die Basis, dann der Mehrwert
Dieser tiefgreifende architektonische Ansatz erfordert im ersten Schritt mehr Sorgfalt bei der Datenstrukturierung und Systemvorbereitung. Doch genau das ist der entscheidende Hebel: Weil das Fundament von vornherein sauber gebaut ist, lernt die KI-Schicht automatisch mit, sobald ein Kunde sein Datenmodell in CONTACT Elements erweitert – ganz ohne zusätzlichen Code schreiben zu müssen. So schließen wir die Lücke zwischen bloßer Technologiespielerei und echtem, produktivem Mehrwert im Engineering-Alltag.
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